Sich seinen Mitmenschen zu öffnen, fällt oft schwer. Leichter ist es jedoch, sich einer fremden Person im Internet zu offenbaren. Sich hinter Bildschirmen zu verstecken und sein Innerstes zu verbergen ist unserer Generation nur allzu bekannt. Denn was soll einem im Schutz der weiten Internetwelt schon passieren?

Spätestens seit dem Aufkommen des Instagram Channels @werenotreallystrangers kommen junge Menschen in Fahrt. Dabei handelt es sich um Kartenspiele, bei denen tiefgründige und sensible Fragen gestellt werden – sei es die Beziehung seinem Partner, der eigenen Familie oder sich selbst, bei diesem Spiel gibt es keine Tabus.

Es gibt verschiedenen Editionen, allen ist gemein, dass Fragen beantwortet werden sollen, die unter normalen Bedingungen nicht gestellt werden. Es zeigt, dass wir unsere Mitmenschen zur Gänze kennenlernen, ihr Innenleben erkunden und verstehen wollen. 

Ebenso gibt es den Mythos, dass zwei Personen nach gewissen 36 Fragen, die in drei Phasen ausgeteilt werden, verliebt sind, sofern die Runde beendet wird.

(Aus eigener Erfahrung kann ich sagen, dass die Theorie zwar nicht aufgeht, jedoch einiges an Gesprächsstoff und Tränen hervorgebracht hat.)

Vor allem auf Online-Dating Plattformen wie Tinder, Bumble & Co. sind Gespräche meist eher oberflächlich als tiefgründig. Aus diesem Grund habe ich im Rahmen von dasinterview.at einen kleinen Versuch gestartet, um herauszufinden, inwieweit ein männlicher Tinder-User bereit ist, sich mir zu öffnen.

*Bei den Interviewten handelt es sich um einen persönlichen Tinder-Match, den ich bei der Recherche am offensten und grammatikalisch am angenehmsten empfunden habe.

Zuletzt lässt sich sagen, dass unsere Gesellschaft (damit meine ich: wir alle) daran arbeiten sollte, zu sagen, was man sagen will, was einem auf dem Herzen liegt, ohne sich von seinen Gefühlen oder Unsicherheiten verunsichern zu lassen. Wir alle sind menschlich, mit unseren Ängsten und Zweifeln. Und egal unter wie vielen Schichten der wahre Kern versteckt zu sein mag, oft ist er es wert, gefunden zu werden.

PS: Ferdinand* (26) war beim Kaffeedate sehr charmant!

*Name wurde aus Datenschutzgründen verändert.